Schüler lotsen Schüler durchs Internet – Frankenpost 21.02.2019

Foto: R.D.

Hof/Landkreis – Die Opferhilfe Oberfranken (OHO) macht mit Schülern, die zu ehrenamtlichen MEDIENSCOUTS ausgebildet wurden, gegen den Missbrauch des Internets mobil. Diese gehen an ihren Schulen vor gegen Cybermobbing, illegale Film- und Musikdownloads, Gewaltvideos auf dem Handy sowie das unberechtigte Hochladen von urheberrechtlich geschützten Fotos und Videos. Unter ihnen Schüler der Hofer Realschule und des Schiller- und Jean-Paul-Gymnasiums aus Hof.

Landrat Dr. Oliver Bär und Alfons Hrubesch, Vorsitzender der OHO, haben mit einem Festakt im Sitzungssaal des Landratsamtes die ehrenamtliche Arbeit von 70 Schülern aus zwei Hofer Gymnasien und der Realschule sowie der Wunsiedler Realschule gewürdigt. Sie sind die ersten MEDIENSCOUTS in Nordbayern.

Die jungen Menschen können als Bindeglied Erfolg haben, weil sie auf Augenhöhe agieren. Diese Aufgabe übernehmen, unterstützt von Lehrern, ältere Schüler, die so Sozialkompetenzen erwerben. Der Schwerpunkt der Ausbildung der Medien-
scouts liegt bei Internet und Sicherheit, sozialen Medien wie Facebook, Handys und Smartphones sowie Computerspielen, Spielesucht und ihren Folgen. Dazu kommen noch sexuelle Gewalt, Gefahren des Islamismus, Kommunikationstraining sowie Sozial- und Beratungskompetenz und Vernetzung, wenn einmal Hilfe benötigt wird.

Ein Beispiel gibt Lilly Weise. Die Hoferin geht in die elfte Klasse des Jean-Paul-Gymnasiums. Sie sei vom Lehrer angesprochen worden, ob sie nicht mitmachen wolle. „Mich hat das Thema interessiert, deshalb habe ich mich gemeldet.“ Aktiv geworden seien sie und ihre Kollegen bei den Mitschülern in den fünften Klassen mit Infos über „Whatsapp“ und soziale Medien. In der siebten Klasse gab es einen Videovortrag. Lilly Weise: „Wenn mir etwas auffällt, werde ich meine Mitschüler ansprechen.“

Zuvor griff Hrubesch die Auswirkungen von Cybermobbing in der Schule auf. „Es ist schlimm, was den betroffenen Leuten passiert“, sagte er. Deshalb sei es notwendig, junge MEDIENSCOUTS zu haben, die Ansprechpartner für Mobbingopfer in den Schulen sind. Das Konzept gehe auf, bislang habe es im Bereich Hof keinen einzigen Fall gegeben, den die Justiz verfolgen musste.

Landrat Dr. Oliver Bär wandte sich als Landrat, Medienrat und Vater an die jungen Leute. Er griff das Phänomen des Social-Media-Onlinespiels „Blauer Wal“ in Russland auf. Dort würden Kinder über Mutproben bis in den Selbstmord getrieben. Hundert tote Jugendliche soll es schon gegeben haben. „Als Vater dreier Kinder frage ich mich: Wie kann das passieren?“ Er habe festgestellt, auch über seine Kinder nicht alles zu wissen. Bär: „Wir bekommen als Eltern nicht das mit, was in der Schule passiert.“ Wichtig sei es deshalb, dass es Gleichaltrige gebe, die als MEDIENSCOUTS die Verantwortung übernehmen. Die „Auf-Augenhöhe-Methode“ sei zur Gefahrenabwehr etwas Besonderes. „Niemand hat mehr Erfahrung als der Schüler selbst.“